Gartenbahner bangen um Zukunft

Freie Presse Auerbach – Freitag, d. 15.11.2019

Modelleisenbahnanlage Spur G
Die Modelleisenbahnanlage Spur G (wie Gartenbahn) in der Dorfstuben Trieb: Roland Luderer mit dem Zug der Lok DR 24, Harzquerbahn, und Wolfgang Nase mit der „Emma“ (v.l.) Foto: Joachim Thoß

Die Weihnachtsausstellung in den Vogtländischen Dorfstuben Trieb öffnet als erste innerhalb der Region. Ab 24. November rollen dort auch Modell-Raritäten über Gleise.

Von Sylvia Dienel

Trieb – Kurz vor Eröffnung der Weihnachtsausstellung Ende November unter dem Dach der Alten Schule Trieb laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Drei Etagen füllen sich mit weihnachtlicher Deko und Spielzeug. Modellbahn-Enthusiasten vom gastgebenden Heimatverein Trieb-Schönau machen ihre Anlagen fast aller Spurweiten in fünf Räumen flott und stellen dabei einige noch nie gezeigte Modelle auf die Gleise.
Drei Räume nehmen allein die Gartenbahner in Anspruch. Als kleine Interessengemeinschaft sind sie im Verein organisiert. Aber wie lange wird es sie noch geben? Der Gedanke, vielleicht aufgeben zu müssen, schmerzt gewaltig. „Da hängt so viel Herzblut dran“, sagt Wolfgang Nase. Er ist einer von drei Gartenbahn-Enthusiasten, die während der sechs Ausstellungstage den Verkehr regeln und beobachten. Denn die Anlage ist digitalisiert. Züge fahren und halten genau nach Plan. Sieben Gartenbahner im Alter von 60 bis 85 Jahren hoffen, dass die Räder nie endgültig stillstehen. Aber: „Es fehlt der Nachwuchs“, berichtet Roland Luderer. Kinder und Jugendliche würden zwar Interesse zeigen, allerdings nur kurzfristig. Und das reicht nicht. Denn Aufbau, Abbau und Betreuung bedeuten eine Menge Aufwand.
Joachim Schneider, dienstältester Gartenbahner und bis vor kurzem Vereinschef, macht vor drastischen Worten nicht halt. „Irgendwann ist Ende“, sagt er nachdenklich.
An Publikum wird es der bevorstehenden Weihnachtsausstellung wahrscheinlich nicht mangeln. Seit der ersten Ausgabe 1997 ist die Veranstaltung in den Vogtländischen Dorfstuben ein Vereins-Zugpferd. Diesmal schicken Joachim Schneider und seine Mit-Gartenbahner zwei noch nie gezeigte Modelle über 100 Meter Gleisstrecke: Eine frisch vom Verein angeschaffte Schlepptenderlok der Baureihe DR 24 und eine Lok namens „Emma“, Wolfgang Nases jüngster Erwerb. Hier überschneiden sich Freude an Modellbahnen mit Begeisterung für ein Kinderbuch namens „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ aus den 1960er-Jahren. Beide Hauptfiguren dampfen mit eigener Musik durch die Landschaft.
Herbert Möckel mag es einige Nummern kleiner. Dafür hat seine Anlage im Nebenraum Seltenheitswert. Die Spur S kenne heutzutage kaum noch einer, sagt der 68-jährige Rodewischer. Erst recht nicht die Nürnberger Firma Karl Bub. Bei einem Trödler hatte er jüngst einen äußerst seltenen Modellsatz aus dem Jahr 1947 entdeckt – und kaufen können. „Diese Firma nutzte damals schon dieselbe Spurweite wie die S ab 1958 von Stadt Ilmenau und hieß Elektro-Volksbahn“, erzählt er. Jetzt dreht sie ihre Runden in Trieb.
Wie gewohnt geht die Weihnachtsschau als erste in der Region an den Start. Ihr Auftakt fällt etwas ruhiger aus als die anderen fünf Öffnungstage. Mit Verzicht auf laute Geräusche und satte Lichter will der Heimatverein dem Totensonntag gerecht werden.


Service : Die Weihnachtsausstellung in der Alten Schule Trieb kann am 24. November, am 1., 8. und 29. Dezember sowie am 25. und 26. Januar besucht werden. Für den letzten Dezember-Schautag wird zudem ein kleiner Markt mit Imbissen im Freien organisiert. Geöffnet ist jeweils von 13.30 bis 17 Uhr.